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Yannik Diebel - Januar 2010
Zusammen mit 16 anderen Weltwaerts-Freiwilligen bin ich am 17. September in Namibia angekommen. Am Flughafen wurden wir von unseren Weltwaerts-Koordinatorinnen Ulrike und Janina in Empfang genommen und nach Windhoek gebracht.
In den nächsten zwölf Tagen nahmen wir an einem Einführungsseminar teil, währenddessen Strukturen und Arbeitsweisen des DED, medizinische Tests, finanzielle Angelegenheiten, eine Stadtführung durch Windhoek, ein Sprachkurs und die offizielle Begrüßung durch die deutsche Botschaft auf dem Programm standen.
Während dieser Zeit waren wir im Lutheran Church Guesthouse untergebracht und wurden dreimal täglich mit Essen versorgt.
Das Seminar war alles in allem interessant und informativ, wenn auch insgesamt etwas lang geraten, was aber der Begrüßung durch die Botschaft geschuldet war, die erst nach 11 Tagen Zeit für uns fand.
Am 12. Tag ging es dann für alle richtig los, als wir, über das ganze Land verteilt, zu unseren Einsatzplätzen gebracht wurden. Chris, mein Projektpartner, Inez, die ebenfalls in Okakarara, im Culture Center, arbeitet, und ich wurden von Ulrike nach Okakarara, etwa 250 km nordöstlich von Windhoek gebracht. Als wir nachmittags auf dem Projektgelände ankamen, wurden wir von Juliane begrüßt. Juliane war als Volontärin 3 Monate für Steps im Einsatz und flog Anfang Dezember nach Deutschland zurück, um ihr Grundschulstudium wieder aufzunehmen. Am selben Abend lernten wir Assaph kennen, der, zusammen mit Sonja, das Local Management, des Projekts bildet. Sonja hatten wir bereits auf der offiziellen Begrüßungsfeier der deutschen Botschaft kennen gelernt. Sowohl von diesen drei, als auch von allen anderen Mitarbeitern des Projekts (LehrerInnen, KöcheInnen, Theatergruppe und „Fahrradmännern“) wurden wir sehr herzlich und freundlich aufgenommen. Schon donnerstags waren wir mit einem Teil der Staff den Geburtstag von Chris feiern, woran sehr deutlich wird, wie unvoreingenommen wir hier, trotz der Geschichte zwischen Deutschland und den Herero, aufgenommen wurden.
Während wir natürlich von allen Mitarbeitern bei der Einarbeitung profitierten, schulterte den Großteil dieser Aufgabe Juliane, was mit Sicherheit auch darin begründet liegt, dass wir zusammen im Projekthaus untergebracht waren und sie deshalb rund um die Uhr für uns ansprechbar war.
Sonja, die gleichzeitig unsere Mentorin und Mitglied des Local Management, somit unsere Vorgesetzte, ist, war auch jederzeit für uns ansprechbar, nahm uns direkt am Anfang in die nächst größere Stadt, Otjiwarongo, zum Einkaufen mit und hat uns sogar während der ersten Monate auf die Farm eingeladen, auf der sie mit ihrem Freund lebt. Sowohl von Janina, als auch vom Landesdirektor, Herr Mortier, haben wir schon in den ersten drei Monaten Besuch bekommen. Ich habe das Gefühl, dass sich von Seiten des DED schon sehr gut um uns gekümmert wird, wie das aussieht, wenn es gilt konkrete Probleme zu lösen, kann ich nicht beurteilen, weil solche hier bisher noch nicht aufgetreten sind.
Was das Bewältigen von Alltagsproblemen angeht, so ist Sonja eine große Hilfe. Sie bringt uns regelmäßig Lebensmittel (Obst, Käse, Wurst) aus Otjiwarongo mit, die es in Okakarara nicht zu kaufen gibt. Sonstige Alltagsprobleme gibt es kaum, außer die hin und wieder aufkommende Langweile, die in einer kleinen Gemeinde wie Okakarara (ca.6000 Einwohner), ohne Schwimmbad, Discos, Bars und Sportvereinen wohl kaum zu verhindern ist.
Obwohl ich in Deutschland eher ein hektischer, aktiver und schneller Mensch war, gewöhne ich mich doch eigentlich sehr gut ans Nichtstun und „Chillen“ in der Freizeit. Aber es ist ja auch nicht so, dass wir gar nichts tun. Unter der Woche sind morgens ab sieben Uhr rund 60 Kinder hier auf dem Projektgelände. Von acht bis viertel nach neun wird in 3 Klassen Vorschulunterricht gehalten, dann gibt es für die Kinder Frühstück. Während dieser Zeit helfen wir den Lehrerinnen entweder beim Unterricht oder helfen in der Küche beim Essen zubereiten und verteilen. Nachdem die Kinder ihre Zähne geputzt haben, dürfen sie rund eineinhalb Stunden frei und selbstständig spielen. In dieser Zeit, puzzeln wir dann meistens, spielen Memory oder HalliGalli oder Fußball. Manchmal reicht es auch einfach sich zu den Kindern in den Sand zu setzen, als Kletterbaum oder Kuscheltier da zu sein oder sich die Haare von den Kindern flechten zu lassen.
Eine feste Vorgabe für das, was wir mit den Kindern machen sollen, gibt es nicht, aber es findet sich immer etwas. Wenn wir nicht mit den Kindern spielen, helfen wir in der Küche, machen Nudelsalat, Frikadellen oder schmieren Brote. Nach dem Mittagessen gehen die meisten Kinder nach Hause und 12 Schulkinder ( im nächsten Jahr 18 ) kommen ins Projekt. Diese Kinder waren in der Preschool von Steps for children und bekommen jetzt vom Projekt die Schuluniform, ein Essen und eine projektinterne Nachmittagsbetreuung bezahlt. Meistens sind wir bei den Kindern, bis deren Nachmittagsbetreuung um 14 Uhr beginnt.
Meistens ist man um 14 Uhr dann tatsächlich auch erschöpft, weil 60 Kinder doch auch anstrengend sein können. In der Regel ist unser Arbeitsprogramm dann auch erledigt. Ab und zu gibt es allerdings auch Aufgaben die in den Nachmittag fallen, z.B. hat das Projekt eine Theatergruppe, die sich dienstags zum Proben trifft. Einer von uns ist meistens dabei und verwaltet Namenslisten und Texte, unsere Vorgängerin hat sogar bei diesem Theaterstück mitgespielt. Oder es fallen außergewöhnliche Aufgaben an wie z.B. 250 Baumpartenschaftsschilder, die wir für unsere Olivenbaumplantage gemalt haben.
Untergebracht sind wir, wie gesagt, im Projekthaus, anfangs haben Chris und ich uns ein Zimmer geteilt, seit Juliane zurückgeflogen ist, haben wir jeder ein Eigenes. Wir wohnen unter guten Umständen, haben ein eigenes Bad, dürfen die Suppenküche mitbenutzen, haben Strom und fließendes Wasser und was ein unschätzbarer Schatz ist, Internet.
Okakarara an sich ist eben eine kleine Gemeinde, hundert Kilometer von der nächsten größeren Stadt entfernt und liegt an keiner großen Straße, das bedeutet, dass die Lebensmittel, die man im einzigen Supermarkt kaufen kann, verhältnismäßig teuer sind und es kaum frische Ware gibt. Das macht es notwendig langfristig zu denken und Sonja regelmäßig um Botendienste zu bitten. Das Wetter ist, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, unglaublich heiß, was eigentlich ganz schön ist, aber selbst das Leben und Arbeiten in den Häusern sehr anstrengend macht. Das führt dazu, dass manchmal das Arbeitstempo einfach langsamer ist, als es das vielleicht ohne diese Hitze wäre. Ob man die 300 Metern, die man zum Supermarkt zurücklegen muss, in der Mittagssonne absolviert, überlegt man sich zweimal und wenn man sich dann doch dafür entschieden hat, kann man danach eigentlich direkt kühl duschen. Aber das sind natürlich Luxusprobleme.
Natürlich habe ich auch schon ein paar Herero kennen gelernt, eine Hürde, die es aber immer zu nehmen gilt, ist die Sprachbarriere. Die Muttersprache hier ist Otjiherero und obwohl Englisch eigentlich Amtssprache Namibias ist, sind die Englischkenntnisse der meisten Menschen doch begrenzt, was dazu führt, dass Gespräche meistens auf einem sehr niedrigen Niveau geführt werden. Ein weiterer Aspekt, der das Freunde finden erschwert ist die Tatsache, dass die Menschen hier davon ausgehen, dass „Weiße“ mehr haben als sie, was vermutlich auch stimmt. Das führt dazu, dass Gespräche, mit verschwindend geringen Ausnahmen, immer zu dem Punkt führen, an dem von uns erwartet wird, dass wir die Gesprächsrunde mit Essen und Trinken versorgen, was auch unseren finanziellen Rahmen sprengt.
So war es zum Beispiel selbstverständlich, dass ich an meinem Geburtstag Essen und Trinken für die Staff bezahlt habe, ob dass, wie versprochen, an den Geburtstagen unserer Mitarbeiter genauso sein wird, kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Aber alles in allem sind die Leute hier trotzdem super freundlich und nett und auch unvoreingenommen uns gegenüber.
Ein letztes Problem, an dem wir als Volontäre leider nicht viel ändern können, sind die Lebensumstände, die in Okakarara herrschen. Zwei Drittel der Menschen sind arbeitslos, viele wirklich arm und die HIV/Aids-Rate liegt bei knapp 35 Prozent. Wenn man aus dem Ort raus läuft, kann man alle 100 Meter sehen, wie sich die Lebensbedingungen der Leute verschlechtern. Immer kleinere Häuser für immer mehr Menschen. Kommt man in die kleinen Dörfer rund um Okakarara, so haben die Menschen keinen Strom und kein Wasser mehr. All das führt zu großen Alkoholproblemen, die die Situation nicht verbessert.
Fast noch schlimmer ist die hohe HIV/Aids-Rate. Wenn man überlegt, dass jedes dritte Kind, das unser Projekt besucht mit HIV infiziert ist, ist das schon ein bedrückender Gedanke. Wenn man sich jetzt noch überlegt, dass es Medikamente gäbe, die den Kindern ein gesundes Leben ermöglichen könnten und das Projekt sogar die Möglichkeit hätte diese zu finanzieren, HIV/Aids hier aber immer noch ein Thema ist das tabuisiert wird, Infizierte ausgestoßen werden, man sich noch nicht einmal testen lassen kann, ohne dass es jeder in dieser Gemeinde mitbekommt und deswegen jegliche Auseinandersetzung mit diesem Thema vermieden wird, dann ist das ein noch viel erdrückenderer Gedanke. Man bekommt ständig mit, dass Angehörige von Mitarbeitern oder Freunden sterben, zwar wird das nie mit Aids in Verbindung gebracht, aber eigentlich ist es ein offenes Geheimnis, woran die Menschen sterben.
Das Projekt hat geplant in den nächsten Jahren eine HIV/Aids-Aufklärung in Okakarara zu installieren. Ich hoffe, dass dies möglichst schnell geschieht und die Menschen diese Möglichkeit auch in Anspruch nehmen.
Es fällt zwar nicht leicht nach einem so schweren Thema ein positives Fazit zu ziehen, aber ich werde es trotzdem versuchen, weil ich alles in allem drei super schöne Monate hier erlebt habe, viele tolle neue Leute kennen gelernt habe und mich in Okakarara tatsächlich schon ein bisschen heimisch fühle.
Insofern bleibt mir als letztes nur noch zu sagen, dass ich mich schon jetzt auf die nächsten drei Monate freue.




