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Philipp Walter - Fahrräder für mehr Bildung - Dezember 2010

Philipp Walter

Bei einem Freiwilligendienst in Afrika erleben zwei junge Deutsche, wie es ist, wenn die Schulbildung nicht einfach der Staat zahlt. Zur Schule gehen ist in Deutschland selbstverständlich und oft lästig. In Namibia dagegen überlegt sich ein ganzes Dorf, wie es Geld für Bildung verdienen könnte – zum Beispiel mit dem Reparieren alter Fahrräder. Zwei Freiwillige aus Deutschland unterstützen das Projekt.

 

Fahrrad-BerichtDie Sonne brennt auf den roten Container. Anstrengung ist nur im Schatten möglich. Trotzdem repariert Elton-John Hepundjua im Container jeden Tag alte Fahrräder aus Deutschland. Sind sie wieder in Schuss, verkauft und vermietet er sie. Das Geld geht an eine Vorschule im kleinen Ort Okakarara, Namibia, südliches Afrika. Würde Hepundjua die Räder nicht reparieren, hätten die 65 Kinder in Okakarara vielleicht keine Vorschule. Denn der Fahrradcontainer ist Teil des Projektes „steps for children“. Die Idee: Um Geld für Lehrer, Schulbücher, Mittagessen und Nachhilfeunterricht verdienen zu können, überlegen sich die Projektmitarbeiter zusammen mit den Bewohnern Arbeitsmöglichkeiten.

 

Neben Elton-Johns Fahrradcontainer gibt es beispielsweise noch eine Olivenplantage, eine Nähwerkstatt und eine Computerschule, deren Erlöse in die Schule fließen. „Das Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, sozial Gutes zu tun und in einigen Jahren unabhängig von Spenden zu sein“, erzählt Michael Hoppe, der Initiator von „steps for children“. Zahlen, Buchstaben, Wortfetzen auf Englisch und Otjiherero, der Sprache dieser Region in Namibia, schallen aus den Klassenräumen. Drei Lehrerinnen kümmern sich dortum65 Vorschulkinder. Durch den Unterricht im Projekt werden sie im nächsten Jahr bereits mit Vorkenntnissen in die Grundschule gehen. Dort bringen sie Leistungen, die über dem Durchschnitt der Klasse liegen.

Da ein leerer Magen nicht gut lernt, gibt es jetzt erst einmal Mittagessen. „Meist gibt es Eintopf, weil die Kapazität unserer Küche noch sehr eingeschränkt ist“, sagt Tareekuye Kazenaimue, eine von zwei Köchinnen. Zur Mittagszeit kommen weitere 23 Kinder aus der Grundschule. Dort werden sie von zwei Freiwilligen und einer Lehrerin in Englisch, Mathematik und Otjiherero unterrichtet, bekommen Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung.

 

Einer der Freiwilligen ist Johannes Vogelsang. Seit September macht der 19-Jährige aus Oberpleis in der Nähe von Bonn bei „steps for children“ ein Freiwilliges Soziales Jahr. „Bevor ich ausgemustert wurde, habe ich mich beim Deutschen Entwicklungsdienst beworben. Dass ich keinen Zivildienst machen muss, hinderte mich nicht daran, nach Namibia zu gehen.“ Johannes wollte mit Kindern arbeiten – und das im Ausland. So lernt er auch noch ein neues Land kennen und kann sich in der neuen Umgebung weiterentwickeln.

Um sich besser mit den Kindern verständigen zu können, lernt er dreimal die Woche Otjiherero. Laut den Namibiern soll diese Sprache sehr einfach sein. Dieses Gefühl hat Johannes nicht. Viele Regeln versteht er noch nicht. Am Ende seines FSJ möchte er sich aber mit den Kindern in ihrer Sprache unterhalten können.

 

Mit Johannes’ Organisation sind noch 39 andere Freiwillige in Namibia. Da sie sich gegenseitig unterstützen, kann er das Land bereisen und kostenlos in anderen Städten übernachten. Wenn Johannes, der einmal Zukunftsenergien studieren möchte, nicht unterwegs ist, arbeitet er auch am Wochenende mal an eigenen Ideen für das Projekt. „Im Dezember möchte ich einen Wasserauffangbehälter aus Bierflaschen bauen.“

Zur Vorbereitung auf seine Arbeit in Namibia hat Johannes ein Seminar besucht, in dem unter anderem über Rassismus, die Rolle der Freiwilligen und auch über die spezifischen Einsatzländer gesprochen wurde. Und wenn er nach Deutschland zurückkehrt, wird es auch noch ein Nachbereitungsseminar geben. „Wir Freiwilligen werden sehr gut von unserer Organisation betreut. Bei Problemen ist immer jemand für uns da, und auch auf die Seminare freue ich mich, da wir Freiwilligen uns dort alle wiedersehen können“, sagt Johannes.

 

Die Mittagspause geht zu Ende, die Schüler drängen zurück in die Klassen. Bald werden hier 100 Kinder Platz finden, weil derzeit ein neues Schulgebäude gebaut wird. Damit die Köchinnen mehr Möglichkeiten haben, wird eine größere Suppenküche mit Speisesaal für die Kinder gebaut. Möglich ist das, weil Elton-John Hepundjua und die anderen Projektmitarbeiter trotz der Hitze des namibischen Sommers unermüdlich weiterarbeiten.

 

 



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