{"id":40108,"date":"2022-12-02T00:00:00","date_gmt":"2022-12-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/steps.eliasarndt.de\/im-austausch-mit-der-autorin-erika-von-wietersheim\/"},"modified":"2022-12-02T00:00:00","modified_gmt":"2022-12-01T22:00:00","slug":"im-austausch-mit-der-autorin-erika-von-wietersheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stepsforchildren.de\/en\/im-austausch-mit-der-autorin-erika-von-wietersheim\/","title":{"rendered":"Im Austausch mit der Autorin Erika von Wietersheim"},"content":{"rendered":"<h2>Im Austausch mit der namibischen Autorin Erika von Wietersheim<\/h2>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"561\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.stepsforchildren.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FV-Ankuendigung-e1669912275376.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.stepsforchildren.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FV-Ankuendigung-e1669912275376.jpg 561w, https:\/\/www.stepsforchildren.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/FV-Ankuendigung-e1669912275376-320x180.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">&#8222;Mein gro\u00dfer Wunsch ist es, dass die jungen Leute in Namibia nicht die Hoffnung verlieren.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<h3>Wie kamst du auf diesen Buchtitel, was hat dich dazu animiert?\u200b<\/h3>\n<p><em>Erika:<\/em> Das Buch endet im Jahr 1990, mit dem Tag der Unabh\u00e4ngigkeit. Dieser Tag war ein Neuanfang, ein fr\u00fcher Morgen, der Beginn des neuen\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Namibia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Namibia<\/a>. Alle Weichen wurden neu gestellt, die Regierung, die Gesetze, das Zusammenleben. Deshalb der Titel \u201eGuten Morgen, Namibia!\u201c<\/p>\n<h4>Namibia ist ein an Kulturen, Natursch\u00f6nheiten und Rohstoffen sehr reiches Land. Namibia f\u00f6rdert und exportiert Uran und Diamanten sowie gro\u00dfe Mengen an Kupfer, Gold, Blei und Zinn. Namibias Demokratie gilt als stabil und das Land ist bei Touristen beliebt. Trotzdem ist die Ungleichheit gro\u00df. Bereits vor der Pandemie galten 40 % der Bev\u00f6lkerung als arm. Viele Menschen hier im Westen k\u00f6nnen das nicht verstehen. Warum ist Armut in Namibia nach wie vor derart ausgepr\u00e4gt?<\/h4>\n<p><em>Erika:<\/em> Namibias Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst sehr schnell und es gibt einfach nicht genug Arbeitspl\u00e4tze. Vor allem, da es auch einen rasanten Zuzug in die St\u00e4dte gibt. Und die Stadtverwaltungen sind v\u00f6llig \u00fcberfordert, gen\u00fcgend Wohnraum und Dienstleistungen wie Land, Wasser und Strom zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Namibia hat es auch bisher nicht geschafft, das gesteckte Ziel der Industrialisierung durchzusetzen, gen\u00fcgend Investoren anzulocken &#8211; durch g\u00fcnstige und transparente Bedingungen und gut ausgebildete Arbeitskr\u00e4fte. Auch die wachsende Korruption spielt leider eine Rolle. Jetzt hoffen viele auf die Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff, der zunehmend in der ganzen Welt gefragt ist. Die Corona Pandemie hat leider zu gr\u00f6\u00dferer Armut beigetragen. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren. Und zurzeit spielen die steigenden Lebenskosten auch eine gro\u00dfe Rolle. Die steigende Inflation, auch in Namibia, macht sich leider immer bei den \u00c4rmsten der Bev\u00f6lkerung am schrecklichsten bemerkbar.<\/p>\n<h4>Was tut der Staat, um die Armut zu verringern?<\/h4>\n<p><em>Erika:<\/em> Namibia tut mehr als man denkt:<\/p>\n<ul>\n<li>Namibia ist eines der wenigen L\u00e4nder in Afrika, das allen Einwohner*innen ab 60 Jahren eine staatliche Rente auszahlt (etwa 80 Euro pro Monat)<\/li>\n<li>Ebenso den Kriegsveteranen, behinderten Menschen und schutzbed\u00fcrftigen Kindern wie Waisenkindern<\/li>\n<li>2015 wurde sogar ein Armutsbek\u00e4mpfungsministerium eingerichtet, das zwar strukturell nicht viel ver\u00e4ndert hat, aber \u00fcber l\u00e4ngere Zeit \u00fcber 10.000 st\u00e4dtischen Haushalten mit Lebensmittelbanken geholfen hat.<\/li>\n<li>Namibia hat au\u00dferdem seit 1990 ein National School Feeding Programme in allen Regionen; 370.000 Sch\u00fcler erhalten t\u00e4glich eine warme Mahlzeit w\u00e4hrend der Schulzeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch so wichtige Projekte wie Steps for Children geh\u00f6ren zur Armutsbek\u00e4mpfung dazu. Sowie die vielen kleinere Initiativen, die es von privater Hand innerhalb Namibias gibt.<\/p>\n<h2>Wie sieht es aus mit der Bildung in Namibia? Wird daf\u00fcr von staatlicher Seite gen\u00fcgend getan? Wie wichtig ist Bildung f\u00fcr Namibias Zukunft? Und was sollte das Land noch an Bildung leisten?<\/h2>\n<p><em>Erika:<\/em> Es gibt gute und schlechte Nachrichten: Namibia gibt viel Geld f\u00fcr den Bildungssektor aus und 98 % aller Kinder besuchen die Grundschule. M\u00e4dchen werden nicht benachteiligt, im Gegenteil es gibt sogar mehr Frauen an den Universit\u00e4ten als M\u00e4nner. Andererseits: Die Bildung selbst ist schlecht, die Lehrer nicht gut ausgebildet, die Schulen schlecht ausgestattet, es gibt nicht gen\u00fcgend Klassenzimmer. Knapp die H\u00e4lfte aller Schulkinder kann nach der 5. Klasse nicht vern\u00fcnftig lesen, rechnen und schreiben. Dazu kommt die hohe Anzahl von Schulm\u00e4dchen, die schwanger werden, was wiederum mit der Armut zusammenh\u00e4ngt. Die hohen Ausgaben f\u00fcr die Bildung scheinen also keine Fr\u00fcchte zu tragen. Die schlechte Bildung tr\u00e4gt auch dazu bei, dass 43 % der Jugendlichen arbeitslos bleiben.<\/p>\n<h4>Was w\u00e4ren Deiner Meinung nach die wichtigsten Schritte f\u00fcr das Land, die jetzt anstehen? Was w\u00fcrdest Du Dir f\u00fcr Namibias Zukunft w\u00fcnschen?<\/h4>\n<p><em>Erika:<\/em> The <strong>konsequente Bek\u00e4mpfung der Korruption<\/strong>, damit wieder Vertrauen in die Regierung entsteht. Es ist wichtig, dass sich alle Namibier, so wie es 1990 war, wieder gemeinsam f\u00fcr eine bessere Zukunft einsetzen. Autorit\u00e4ten wie Politiker und Chiefs haben hier noch einen gro\u00dfen Einfluss als Vorbilder und wenn sie korrupt sind oder erscheinen, f\u00fchr das zum Auseinanderfallen der Gesellschaft.\u00a0<\/p>\n<p>Zweitens w\u00fcnsche ich mir: Eine radikale <strong>Erneuerung des Bildungssystems<\/strong>, vor allem eine Investition in die Ausbildung der Lehrer. Lehrer und Lehrerinnen m\u00fcssen lernen, dass sie den Kindern nicht nur auswendiggelerntes Wissen vermitteln sollen, sondern sie zum Denken und Nachdenken, zu Kreativit\u00e4t und Selbst- und Verantwortungsbewusstsein f\u00fchren m\u00fcssen. Aber um das zu erreichen, m\u00fcssen die Lehrer es erst selbst lernen, denn sie sind durch ein Schulsystem gegangen, das ihnen genau das nicht vermittelt hat.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Und ganz wichtig: Wir m\u00fcssen den Jugendlichen in unserem Land Arbeit geben. <\/strong>Denn sie wollen arbeiten. Vor ein paar Tagen standen \u00fcber 800 Menschen Schlange, da in einer Fabrik drei Arbeitspl\u00e4tze ausgeschrieben waren. 800! Die Arbeitslosigkeit hat ja auch einen direkten Einfluss auf die Kriminalit\u00e4t, auf Alkoholismus, Drogenkonsum und die sehr hohe Selbstmordrate in Namibia. <strong>Am st\u00e4rksten w\u00fcnsche ich mir, dass die Menschen, besonders die jungen Menschen die Hoffnung nicht aufgeben.<\/strong><\/p>\n<p>Ich kenne einen jungen Mann, er kommt aus \u00e4rmlichsten Verh\u00e4ltnissen und arbeitet ab und zu bei mir im Garten. Ich helfe ihm den F\u00fchrerschein zu machen, damit er bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz hat. Riaan ist auch ein Dichter.<\/p>\n<p>Hier sind ein paar Zeilen aus einem seiner vielen Gedichte, die er mir zeigt oder schickt:<\/p>\n<p><strong><em>Welcome to my life <\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>After the morning prayer<\/em><\/p>\n<p><em>I am staring at the sunrise<\/em><\/p>\n<p><em>I am from the darker side of the globe<\/em><\/p>\n<p><em>Still holding on to this rope of hope<\/em><\/p>\n<p><em>I live good days in a sad life<\/em><\/p>\n<p><em>My face plays the friendly<\/em><\/p>\n<p><em>But there are problems piling up<\/em><\/p>\n<p><em>Behind that cute smile.<\/em><\/p>\n<p><em>I came a long way together with famine<\/em><\/p>\n<p><em>And my pen bleeds the ink<\/em><\/p>\n<p><em>Tears run while I write this\u2026<\/em><\/p>\n<p>(<em>Nach dem morgendlichen Gebet, starre ich in den Sonnenaufgang\/ich lebe auf der dunkleren Seite des Globus, aber ich halte fest am Seil der Hoffnung\/ in einem traurigen Leben habe ich auch gute Tage, mein Gesicht zeigt sich freundlich aber hinter diesem netten L\u00e4cheln t\u00fcrmen sich die Sorgen\/ schon lange lebe ich mit dem Hunger und aus meinem Stift blutet die Tinte und w\u00e4hrend ich dieses schreibe, flie\u00dfen meine Tr\u00e4nen\u2026)<\/em><\/p>\n<p>Mein gro\u00dfer Wunsch ist es, dass die jungen Leute in Namibia nicht die Hoffnung verlieren. Dass sie das Seil der Hoffnung nicht loslassen. Aber wir, denen es besser geht, m\u00fcssen dazu beitragen, dieses Seil zu st\u00e4rken. Sie in Deutschland tun das auf jeden Fall f\u00fcr viele Kinder und Jugendliche mit Hilfe von Steps for Children.<\/p>\n<h4>Was sollten wir Deiner Meinung nach gedanklich mit nach Hause nehmen? Welche Botschaft m\u00f6chtest Du uns abschlie\u00dfend mitgeben?<\/h4>\n<p><em>Erika:<\/em> In Deutschland tut man viel f\u00fcr Namibia und das ist extrem wichtig. Aber es gibt auch Dinge, die man in Deutschland von Namibia lernen kann:<\/p>\n<p>Nicht so schnell die Hoffnung verlieren Solidarit\u00e4t in schweren Zeiten der Pandemie und gro\u00dfer Not. Umgang mit Katastrophen wie Corona, Wassermangel, D\u00fcrre \u2013 man hilft sich gegenseitig, man packt an, man spart Wasser und diskutiert nicht \u00fcber Waschlappen. Wenn es nicht genug Wasser gibt, spart man eben Wasser. Die meisten hier haben sowieso keine Dusche und waschen sich t\u00e4glich mit dem Waschlappen. Und sind dennoch blitzsauber. Man wartet nicht auf den Staat, der alles richten soll, sondern hilft sich selbst, der Familie, den Freunden, so gut es geht. Es wird weniger geredet, angeklagt, gewartet auf Hilfe von au\u00dfen oder staatlicher Seite.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>Vielen Dank liebe Erika!\u00a0<\/b><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Austausch mit der namibischen Autorin Erika von Wietersheim &#8222;Mein gro\u00dfer Wunsch ist es, dass die jungen Leute in Namibia nicht die Hoffnung verlieren.&#8220; Wie kamst du auf diesen Buchtitel, was hat dich dazu animiert?\u200b Erika: Das Buch endet im Jahr 1990, mit dem Tag der Unabh\u00e4ngigkeit. 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