Entstehungsgeschichte

In 2004/5 war der Initiator von steps for children, Michael Hoppe, in Kenia, Südafrika und zweimal in Namibia. Er suchte einen geeigneten Projektstandort, um seine Vision umzusetzen, Kindern in Not nachhaltig zu helfen. Erika von Wietersheim, eine deutsche Namibierin, machte Michael Hoppe mit dem Ort  Okakarara bekannt.

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Wie steps for children entstanden ist – erzählt von Michael Hoppe

Im Jahr 2002 beendete ich nach über 30 Jahren als selbstständiger Unternehmer meine Tätigkeit als deutscher und internationaler Geschäftsführer meiner Firmen, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und etwas Sinnstiftendes zu unternehmen. Bis 2004 wurde mein Wunsch immer stärker, etwas für Kinder und Jugendliche in Not zu tun.

In diesem Zeitraum kam die Idee für ein Kinderprojekt in Ländern auf, die der Unterstützung bedürfen. Eine erste Projektskizze entstand, die ein Waisenhaus, eine Schule und eine Suppenküche vorsah. Der Erdteil, in dem das Projekt Gestalt annehmen sollte, stand noch nicht fest; trotzdem erarbeitete ich bereits damals die noch bestehenden Visionen und Grundlagen.

Von anderen lernen – eine Exkursion nach Afrika

Da ich bislang nur mit unternehmerischen und nicht mit sozialen Projekten Erfahrung hatte, wollte ich erst einmal von anderen lernen, um Anfängerfehler zu vermeiden. Was brauchen die Bedürftigen wirklich? Wie schaffe ich Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe? Antwort auf diese Fragen suchte ich bei ähnlichen Initiativen. Freunde und Experten wiesen mich immer wieder auf Projekte in Afrika hin – einem für mich noch unbekannten Kontinent!

12_P1000615Ende 2004, Anfang 2005 unternahm ich eine erste Exkursion durch Kenia, Südafrika und Namibia. Dort lernte ich mehrere Projekte für Kinder und Jugendliche in der Praxis kennen und sprach mit Hunderten von Menschen. Ich besuchte Slums und Elendsviertel und sah zum ersten Mal in meinem Leben aidskranke Menschen auf der Straße sterben. Dies alles bestärkte mich in meinem Wunsch, mich für Kinder einzusetzen, die durch HIV/Aids in Not geraten sind.

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Erika von Wietersheim

Auf dieser Reise lernte ich in Namibia auch Erika von Wietersheim kennen, die die erste Vorsitzende des später gegründeten Trust steps for children werden sollte. Aufgewachsen in Namibia, hatte sie auf ihrer Farm u.a. eine Schule für die Kinder der Farmarbeiter gegründet.

Das Konzept der „Einkommen erzielenden Projekte“ entsteht

Viele der von mir besuchten Projekte in Afrika waren zwar teilweise gut organisiert und ausgestattet, aber auf Dauer immer abhängig von neuen Spenden und Unterstützung Dritter. Einige standen kurz vor dem Aus, weil Spender im fernen Europa oder Amerika sich abgewendet hatten. Um diese Problematik zu vermeiden, entwickelte ich das Konzept der Einkommen erzielenden Projekte.

Demnach betätigen sich die Beteiligten vor Ort selbst unternehmerisch, indem sie Waren oder Dienstleistungen anbieten, die ihnen ein eigenes Einkommen sichern. Von diesem Einkommen werden dann außerdem die sozialen Projekte (z.B. eine Vorschule oder Suppenküche) bezahlt. Beide Module, die sozialen einerseits, die Einkommen erzielenden andererseits, machen das Gesamtprojekt aus.

Erster Kontakt mit Okakarara

Nachdem das Konzept der Einkommen generierenden Projekte in der Theorie bestand, sollte es jetzt auch in die Praxis umgesetzt werden. Im April 2005 reiste ich erneut nach Namibia und suchte mit Erika von Wietersheim Okakarara in der Nähe des Waterbergs auf. Ein Einheimischer führte uns durch die Gemeinde, zeigte uns die Armenviertel und machte uns mit dem traditionellen Chief Kambazembi bekannt. In der Gemeinde wurde großes Interesse an einem sozialen Projekt bekundet.

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Die traditionellen Chiefs in Okakarara heißen das Projekt willkommen

Bei meinem zweiten Besuch in Okakarara im August 2005 suchte mich Pastor Assaph Kandjeo auf. Er hatte von meinen Plänen gehört und teilte meine Vision, etwas für Kinder in Not zu tun.

Schon seit zwei Jahren dachte Assaph zusammen mit ein paar anderen Gemeindemitgliedern über ein derartiges Projekt nach; bislang fehlten aber das notwendige Geld und Unterstützung. Nach langen Gesprächen kamen wir überein, dass wir den traditionellen Chiefs die Projektidee unterbreiten müssten, um uns von ihnen beraten zu lassen und ihren Segen zu bekommen. Also stellte ich unsere Pläne den Chiefs Kambazembi und Tjikuua, deren Beratern, dem Regional Councilor und ca. 20 Gemeindemitgliedern vor.

Nach vielen Fragen und internen Diskussionen verkündete Chief Kambazembi: „Wir heißen dich und dein Projekt in Okakarara willkommen. Der Abdruck, den dein Fuß hier im Sand hinterlässt, wird niemals vom Winde verweht.“ Ich dankte ihm und bat die Gemeinde um ein größeres Grundstück zur Verwirklichung der Projektidee. Nach ca. vier Wochen erhielt ich den Bescheid, dass die Gemeinde uns 60.000 Quadratmeter am Ortseingang zur Verfügung stellen wolle.

Damit war die Entscheidung für Okakarara und das erste Projekt (Suppenküche und Vorschule) gefallen. Alles passte: Ich hatte eine Gemeinde in Not gefunden, die das Projekt wollte und unterstützte, dazu kamen ein Pastor mit der gleichen Vision und ein Stadtrat, der das nötige Grundstück zur Verfügung stellte.

Pastor Assaph und ich stellten ein Task Team aus vier Mitgliedern der Gemeinde zusammen, die sich an die Planung der Vorschule und der Suppenküche machten.

Ein Dorf für Kinder wird konzipiert

Nach der Zusage für das Grundstück beriet ich mich mit Erika lange über den grundsätzlichen Entwurf für das Projekt. Klar war, dass es viele einzelne Module geben würde, die heutigen „steps“, und dass jedem Modul ein Verantwortlicher vorstehen sollte.

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12_okakarara_janfeb_2006_chris_016Bei meinem nächsten Besuch in Windhoek im November 2005 lernte ich auf Vermittlung von Erika von Wietersheim das Ehepaar Gertrud und Jürgen Schmotz kennen, das eine Hälfte des Jahres in Windhoek und die andere Hälfte in Augsburg lebt.

Bereits 2004 hatten die beiden mit Unterstützung der Augsburger Freunde Namibia eine Nähstube samt Jugendtreff in Okakarara begründet. Hier nähten zwei Frauen hauptsächlich Taschen, die größtenteils in Deutschland verkauft wurden. Die Nähstube war in dem Gebäude des Roten Kreuzes angesiedelt und wurde von einem lokalen Mitarbeiter geleitet, wenn das Ehepaar Schmotz nicht anwesend war. Gertrud und Jürgen bekundeten Interesse daran, ihre Nähstube als eigenständiges und unabhängiges Teilprojekt (step) unter eigener Regie meinem Gesamtprojekt einzugliedern. Das Ehepaar Schmotz half dann auch bei den Vorbereitungen für die Suppenküche und Vorschule.

Der plötzliche Start des Projektes

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Nähstube in Okakakara

Im Dezember 2005 überraschte mich Assaph und das Task Team mit dem Wunsch, das Projekt doch schon früher zu beginnen. Sie hatten erkannt, dass die Übertragung des Grundstücks und die darauf vorgesehenen Bauten noch längere Zeit in Anspruch nehmen würden. Es gab in Okakarara aber bereits 30 Kinder im Vorschulalter, die mit ihrer Ausbildung beginnen sollten. Außerdem waren im Rot-Kreuz-Haus, wo Gertrud und Jürgen Schmotz bereits seit 2004 eine Nähstube betrieben, praktischerweise noch ein Raum für die Vorschule und auch einer für die Küche frei.

Die Stiftung und der Förderverein steps for children werden aus der Taufe gehoben

Noch im Dezember 2005 gründete ich in Hamburg die Stiftung steps for children und stattete sie mit genügend Geld für die Investitionen des ersten Jahres aus. Um die laufenden Kosten langfristig decken zu können, wurde am 21. Januar 2006 ebenfalls in Hamburg der Förderverein steps for children gegründet. Nahezu 50 Gründungsmitglieder nahmen an der Gründungsveranstaltung teil.

Der Trust steps for children wird gegründet

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Dr. Michael Hoppe

Mit Hilfe eines Anwalts konnte ich Anfang 2006 zügig die Gründungsurkunden für den Trust steps for children in Windhoek fertig stellen. Die Gründungsmitglieder waren Erika von Wietersheim als Vorsitzende, die mit sozialen Organisationen vertraute Deutsch-Amerikanerin Dr. Lucy Steinitz und Festus Tjikuua, ein in Okakarara geborener Namibier, der in Hamburg Ingenieurswesen studiert hat. Die drei bildeten den (Gründungs-)Vorstand. Zusammen mit mir als Initiator und Vertreter des bis dahin einzigen Projekt-Finanzierers, namentlich der Stiftung steps for children, sowie dem Ehepaar Schmotz stellten wir das Entscheidungsgremium für das Projekt in Namibia dar.

 

 

Anfang März 2006 – Start des Projektes im Interimshaus I

In der 2. Märzwoche war es soweit: Jürgen Schmotz half, Schulmöbel nach Okakarara zu schaffen und packte noch einen gebrauchten Teppich und Farbe mit ein. Mit von der Partie war auch ein Vikar der evangelischen Kirche und Sonja Schneider-Waterberg, eine Lehrerin meiner Tochter aus der Sophie-Barat-Schule in Hamburg. Sonja hatte mir bereits bei Übersetzungsarbeiten und anderen Projekt-Vorbereitungen in Hamburg geholfen und überlegte nun, ein Sabbatjahr bei steps for children in Okakarara einzulegen.

Jürgen, Sonja, Assaph und der Vikar strichen gemeinsam die Wände, brachten Regale an, stellten die Schulmöbel auf und packten das Geschirr aus. Fertig: Die Kinder konnten kommen!
Im gleichen Haus waren nun zwei Projekte untergebracht, die Nähstube von Gertrud und Jürgen Schmotz und steps for children.

Kauf des Interimshauses II

Im September 2006 erfuhr ich, dass ein größeres Haus mit einem ausgedehnten Grundstück zum Verkauf stand. Mit Sonja und Assaph besuchte ich die Verkäuferin auf ihrer Farm. Nach spannenden Verhandlungen einigten wir uns über den Preis und die Nebenbedingungen.

Im November 2006 konnte Jürgen Schmotz, inzwischen wieder für sein Winterhalbjahr in Namibia, den Vertrag nach Okakarara zu den Verkäufern und zu den Vorstandsmitgliedern in Windhoek zur Unterschrift bringen. Nun gehörte das Haus dem Trust steps for children, gemeinsam finanziert (zusammen mit dem später entstehenden ersten mobilen Haus) von der Stiftung steps for children und deren Sponsoren und dem Augsburger Freundeskreis Namibia und dessen Sponsoren.

12_DSC05201Sofort nach der Vertragsunterzeichnung begannen wir mit der aufwändigen Renovierung, dem Umbau und dem Neubau eines Toilettenhauses. Unser Ziel war es, das Haus mit dem Beginn des neuen Schuljahres zu beziehen: Pünktlich Mitte Januar 2007 konnten zwei neue Lehrerinnen den Unterrichten starten. Nur die Näherinnen mussten vorerst noch im Schlafzimmer arbeiten, da das für sie geplante mobile Haus erst im März 2007 fertig werden sollte.

 

Partner und Mitarbeiter

Nachdem die Zusammenarbeit mit dem von Gertrud und Jürgen Schmotz initiierten Nähprojekt immer enger geworden war, beschlossen wir, ab Mitte 2006 gemeinsam unter dem Namen steps for children zu agieren. So beteiligten sich die Freunde Namibias Augsburg, die hinter dem Ehepaar Schmotz stehen, auch am Kauf des neuen Hauses sowie ab November 2006 an den laufenden Kosten.

12_Initiatoren_2006klDie deutsche Lehrerin Sonja Schneider-Waterberg beschloss, ihr Sabbatjahr bei steps for children in Namibia zu absolvieren. Ab August 2006 wurde sie zu einer wertvollen Hilfe im Projekt und zu einer Vermittlerin zwischen den Kulturen. Im August 2007 verlängerte sie ihren Vertrag um zwei Jahre. Zusammen mit Assaph bildet sie heute das lokale Management und übernimmt immer wieder neue Aufgaben. So gibt sie zum Beispiel Nachhilfe und ist direkte Vorgesetzte der Nähfrauen, ist in das Training der Vorschullehrerinnen involviert, trägt die Verantwortung für die Buchhaltung und das Berichtswesen und ist inzwischen Ansprechpartner für nahezu alle Mitarbeiter, Besucher und Volontäre.