Viktoria Geng und David Drabe haben uns in diesem Jahr tatkräftig mit ihrem Know-how unterstützt! Sechs Wochen haben sie in unserem Projekt in Gobabis verbracht. Ihre Eindrücke haben sie uns im folgenden Interview geschildert.

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Viktoria und David,

wie kamt ihr zu der Idee, Freiwilligenarbeit in Namibia zu leisten und zu steps zu gehen? Was bewegte euch, eure Berufstätigkeit zu unterbrechen und in einem Hilfsprojekt mitzuarbeiten?

Wir wollten vor allem eine ganz neue Erfahrung machen, raus aus dem Alltagstrott und etwas Gutes tun. Da man ja besonders viel über Afrika und die schwierige Situation dort lesen kann, wollten wir gern persönlich erleben, wie es dort aussieht und wie man unmittelbar helfen kann. Wir waren uns sehr sicher, dass uns das persönlich sehr viel bringen wird, daher war es auch keine Frage, eine Auszeit vom Job zu nehmen und für 6 Wochen nach Namibia zu reisen.

Mit unserem betriebswirtschaftlichen Hintergrund wollten wir auch gern unser Können gezielt einsetzen und haben nach einer Möglichkeit gesucht, wo man gemeinsam über die Aufgaben sprechen kann. Steps war mit Abstand am professionellsten und mit der Umsetzung der einkommensstiftenden Steps-Projekte die perfekte Möglichkeit für uns, unsere Fähigkeiten einzusetzen.

Ihr habt 6 Wochen bei steps for children – Light for the Children in Gobabis verbracht. Was genau waren dort eure Aufgaben?

Wir hatten vier große Bereiche, in denen wir vor allem mitgearbeitet haben: die Tischlerei, das Computercenter, die Betreuung der Schulkinder am Nachmittag und das Volontär-Management. Dabei standen diverse Aufgaben auf unserem Tagesplan, von der Erstellung der Businesspläne für Tischlerei und Computercenter, Unterstützung der Solarofen-Produktion, Entwicklung von Marketing- und Vertriebskonzepten über Nachhilfestunden an die Jugendlichen in Mathe und Englisch bis hin zur Weiterentwicklung der Volontär-Prozesse gemeinsam mit den Verantwortlichen hier vor Ort.  Auch das hat unseren Aufenthalt so besonders gemacht, kein Tag war wie der andere und es gab immer genug zu tun. Natürlich war dabei auch immer genügend Zeit, um mit den Kindern zu spielen und zu toben.

Was macht ihr beruflich und wie konntet ihr euer Know-how in Gobabis mit einfließen lassen?

Wir sind beide Unternehmensberater und Doktoranden an der TU Hamburg-Harburg. Aus dieser Erfahrung haben uns natürlich die kaufmännischen bzw. betriebswirtschaftlichen Kenntnisse in Namibia genützt.  Die einkommenserzielenden Steps müssen ja ebenfalls sehr gut geplant werden, um erfolgreich zu sein und wirklich Einkommen zu generieren. Wer ist die Zielgruppe, wie kann man die Produkte wo verkaufen und bei welchem Preis sind sie profitabel? Zudem haben wir Übung darin, Organisationsprozesse und –strukturen zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu machen. Hierbei haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht, wie offen unsere Vorschläge angenommen und umgesetzt wurden.

Welche besonderen Erlebnisse hattet ihr – mit eurem europäischen Blick auf eine ganz andere Lebensrealität und Kultur?

Uns hat vor allem die Offenheit, Herzlichkeit und Dankbarkeit der Kinder total beeindruckt. Gleich am ersten Tag, als wir uns auf dem Spielplatz mit kleinen Reparaturarbeiten nützlich machen wollten, sind Vorschulkinder auf uns zugekommen und haben uns ganz neugierig inspiziert. Wenige Augenblicke später haben wir ganz ausgelassen mit allen rumgetobt und Spiele gespielt. Für uns war es sehr beeindruckend, wie man die Kinder mit ein wenig Aufmerksamkeit glücklich machen kann. In Deutschland hätten wir diese Begeisterung und Offenheit wohl nicht in gleichem Maße erleben können.

Was uns außerdem beeindruckt hat, ist die Geduld und Gelassenheit vieler Menschen in Namibia. Dinge auf sich zukommen zu lassen und nicht alles kontrollieren zu wollen ist sicherlich etwas, was wir mit in unseren Alltag nach Deutschland nehmen wollen.

Negative Erfahrungen haben wir jedoch auch mit einigen Beamten und Personen des öffentlichen Dienstes gemacht. Eine gewisse Gleichgültigkeit und Impertinenz ist hier und da zu spüren und erschwert teilweise die Freiwilligenarbeit enorm.

Ihr habt als kleines Highlight im Projekt einen Kinoabend organisiert. Für die Kinder war das sicher ein ganz besonderes Erlebnis. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Und wie haben die Kinder reagiert?

Wir haben schnell gemerkt, dass bewegte Bilder etwas ganz besonderes für die Kinder sind. Im Gegensatz zu Deutschland haben die Kleinen eigentlich nie die Möglichkeit, einen Film zu sehen. Da wir beide den Film „König der Löwen“ sehr mögen und auch ein Bezug zu Afrika gegeben ist, war uns schnell klar, dass wir diesen Film gerne in der Schule zeigen würden.  Auch wenn es schwierig für die Kleinen war, dem englischen Text über so lange Zeit zu folgen, haben wir doch viele lachende Gesichter beobachtet.  Um das „Kinoerlebnis“ rund zu machen und um 90 Minuten durchzuhalten, haben wir für jedes Kind ein kleines Päckchen mit Keksen und einem Lolli gemacht, was natürlich besonders gut angekommen ist.

Der Kern der Projekte sind die Kinder und ihr Weg in eine gute, langfristige Bildung. Was würdet ihr spontan auf die Frage antworten: Welche Potenziale haben die Kinder? Und wodurch?

Eines der größten Potentiale liegt für uns darin begründet, dass die Kinder offen und unvoreingenommen für neue Dinge sind. Eine natürliche Neugier und der Wunsch, etwas Neues zu lernen, sind uns im Umgang mit den Kindern oft begegnet. Die Förderung dieses natürlichen Wissensdurstes durch eine gute und nachhaltige Bildung ist daher eines der wichtigsten Themen überhaupt.

Wie sind euch namibische Mitarbeiter begegnet, und wie habt ihr versucht, die Brücke zu schlagen?

Wir waren gleich am ersten Tag positiv überrascht, als wir mit den Worten „da seid ihr ja endlich“ begrüßt wurden. Die Mitarbeiter im Projekt sind sehr offen für Verbesserungsvorschläge und freuen sich über die Hilfe aus Deutschland.  Auch wenn unser Tempo, mit dem wir manchmal Dinge schnell umsetzen wollten vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig für einige war. Aber wenn man darauf achtet, dass man die Dinge gemeinsam entwickelt, sicherstellt, dass man für das gleiche Ziel arbeitet und den namibischen Mitarbeiter nicht einfach etwas „überstülpt“, können sich beide Kulturen sehr gut ergänzen und bereichern.  

Wenn ihr das Projekt in Gobabis mit drei Worten beschreiben  müsstet, welche wären es?

Notwendigkeit, Chance, Wandel

Ihr seid nun schon ein paar Wochen von eurer Reise zurück: Auch wenn der europäische Alltag schnell wieder zugreift – was nimmt man mit nach Hause? Und was verändert sich?

Auf jeden Fall ein extrem verstärktes Bewusstsein dafür, was man alles in Deutschland hat. Aber auch welche Pflicht jeder von uns hat, zu helfen. Egal, ob durch einen Aufenthalt in Namibia oder durch kleine Dinge im Alltag. Wir müssen alle daran arbeiten, dass keine Kinder mehr auf Essen, ein Dach über dem Kopf oder Schulbildung verzichten müssen.

Nicht zuletzt – was würdet ihr jungen Menschen in Deutschland mit auf den Weg geben?

Einfach mal machen! So ein Aufenthalt und die Projektarbeit waren so unglaublich bereichernd für uns und haben dabei auch noch Anderen geholfen. Besser geht es ja eigentlich nicht. Je mehr junge Menschen über den Tellerrand des eigenen Lebensstandards im eigenen Land schauen, desto schneller kann sich vielleicht auch die Gesellschaft zum Positiven ändern.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Viktoria und David für ihren tollen Einsatz!

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